MIGROS-TOCHTER GALAXUS WEITET VERLUSTE IN DEUTSCHLAND AUS

Die Migros hat schon viel Geld im Ausland verloren. Die Verluste der Tochterfirma will sie aber bewusst in Kauf nehmen, um schnell wachsen zu können.

Die Migros steckt immer noch im grössten Umbau ihrer Geschichte. Sie trennt sich von zahlreichen Fachmärkten, Industrietöchtern und dem Reisebüro Hotelplan und will sich so aufs Kerngeschäft konzentrieren und sparen. In Deutschland schreibt die Migros-Tochter Digitec Galaxus aber Millionenverluste.

Vor kurzem gab die Migros-Tochter Digitec Galaxus die Zahlen fürs Deutschland-Geschäft für 2023 bekannt. Es zeigt sich: Die Verluste nehmen noch zu. Im Jahr 2022 betrug das Minus noch 49 Millionen Franken. 2023 waren es dann schon 61 Millionen Franken.

Wie das Finanznews-Portal «Inside-Paradeplatz» unter Bezug auf eine anonyme Quelle schreibt, ging es im Jahr 2024 im gleichen Takt weiter. Ausserdem steigen die Kosten für sonstige finanzielle Verpflichtungen, wie im Geschäftsbericht zu sehen ist. 38 Millionen werden vom 1. Januar 2025 bis 31. Dezember 2028 fällig, 69 Millionen ab 1. Januar 2029.

Dabei handelt es sich laut einer Sprecherin der Migros um bestehende Mietausgaben für das Büro in Hamburg, die beiden Lager in Krefeld und neue Logistikstandorte in Neuenburg am Rhein, die im Herbst 2025 eröffnen.

Migros vergleicht sich mit Amazon und Zalando

Auf Anfrage von 20 Minuten heisst es bei Digitec Galaxus, die Expansion in einen neuen Markt erfordere substanzielle Anlaufinvestitionen. «Dabei handelt es sich um branchenübliche Ausgaben, die notwendig sind, um ein E-Commerce-Unternehmen aufzubauen und die Marke nachhaltig im Wettbewerb zu positionieren – siehe Zalando oder Amazon», sagt Sprecher Alex Hämmerli.

Diese Anfangsverluste nehme das Unternehmen bewusst in Kauf: «Sie ermöglichen es, schnell eine kritische Unternehmensgrösse zu erreichen, Skaleneffekte zu realisieren und dadurch langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu operieren. Gleichzeitig ist ein zügiger Marktausbau wichtig, um eine starke Marktpräsenz aufzubauen, Kundinnen und Kunden zu gewinnen und sich gegenüber den Mitbewerbern zu behaupten», sagt Sprecher Alex Hämmerli.

Galaxus bewege sich dabei im Rahmen der Planung. Die angestrebten Zwischenziele seien seit Markteintritt stets erreicht worden.

Digitec Galaxus verweist ausserdem auf steigende Umsatzzahlen von plus 57 Prozent im Nachbarland im Jahr 2023. Dazu heisst es, die neuen Logistikstandorte in Neuenburg am Rhein sollen auch der Schweiz dienen. Auch das Büro in Hamburg erbringe für Deutschland und die Schweiz wichtige Leistungen.

Die gescheiterten Migros-Abenteuer im Ausland

Das Galaxus-Geschäft in Deutschland verschlang allerdings seit dem Start vor sieben Jahren schon Hunderte Millionen. Das erinnert an mehrere Migros-Abenteuer im Ausland, die krachend gescheitert sind. Schon Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler versuchte im Jahr 1932 eine Expansion nach Deutschland, gab aber nach einem Jahr auf, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen.

Vor 30 Jahren verbrannte die Migros Hunderte Millionen mit einem Österreich-Abenteuer. Erst vor kurzem beendete sie ein Engagement mit edlen Fitnesscentern in München, das sich zum Millionenloch entwickelte. Nun droht der Migros Zürich eine halbe Milliarde Verlust mit der deutschen Tochter Tegut, die fast durchgehend rote Zahlen schreibt.

2025-07-09T11:27:52Z