CHINESEN STEIGEN IN GROSSEM STIL BEI MEDIAMARKT-SATURN EIN

Schon länger kursieren Medienberichte, wonach der chinesische Konzern JD.com an Mediamarkt-Saturn aus Deutschland interessiert sein soll. Nun haben die Chinesen den entscheidenden Schritt getan.

Bei Europas grösstem Elektronik-Fachhändler Mediamarkt-Saturn mischen künftig die Chinesen kräftig mit. Wie erwartet steigt der chinesische E-Commerce-Riese JD.com in grossem Stil bei der deutschen Mediamarkt-Saturn-Mutter Ceconomy ein und wird dort neuer Mehrheitsaktionär.

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JD.com ist gross: 159 Milliarden US-Dollar Umsatz

JD.com mit einem Jahresumsatz von knapp 159 Milliarden US-Dollar (2024) sieht sich als «ein weltweit führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit einer Lieferkette als Kernstück und Chinas grösster Einzelhändler nach Umsatz». Seit mehr als zehn Jahren ist das Unternehmen an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert.

Auf dem Heimatmarkt kämpft der Konzern mit Sitz in Peking mit einem intensiven Wettbewerb. Konkurrenten wie Alibaba und Pinduoduo setzen JD.com unter Druck. Zuletzt ist JD.com auch in den chinesischen Markt für Essenslieferungen vorgedrungen – und hat damit ein weiteres umkämpftes Feld betreten.

Beobachter gehen davon aus, dass der Einstieg mit hohen Kosten erkauft wird: Restaurants, Fahrer und Kunden werden mit Sonderkonditionen gelockt. Die staatliche Aufsichtsbehörde in Peking warnte bereits vor ruinösem Wettbewerb und forderte alle Anbieter im Frühjahr auf, ihre Preiskriege zu beenden. Der insgesamt schwache Konsum in China verschärft die Lage zusätzlich. Als bekannte Stärken von JD.com gelten die eigene Logistik und technologische Kompetenz.

Angebot für Media Markt weit über dem Aktienkurs

Die deutsche Tochtergesellschaft des chinesischen Online-Händlers hat für die Übernahme ein freiwilliges öffentliches Angebot vorgelegt. Demnach sollen die Ceconomy-Aktionäre 4,60 Euro je Aktie in bar erhalten, teilte die Ceconomy AG am Mittwochabend in einer Pflichtmitteilung in Düsseldorf mit. Das Angebot entspreche einem Unternehmenswert von 4 Milliarden Euro. Damit liege es um 43 Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate.

Die vier Ankeraktionäre Haniel, Beisheim, Freenet und Convergenta hätten bereits verbindliche Zusagen für insgesamt rund 32 Prozent des Aktienkapitals unterzeichnet, hiess es. Der bisher grösste Aktionär, die Beteiligungsgesellschaft Convergenta der Gründerfamilie Kellerhals, werde einen Anteil von rund 25,4 Prozent behalten. Eine Mindestannahmeschwelle gebe es nicht, betonte Ceconomy-Chef Kai-Ulrich Deissner am Donnerstag vor Journalisten. Er rechnet damit, dass die Transaktion im ersten Halbjahr 2026 abgeschlossen wird.

Ceconomy-Aktie legt zu

«Wir gehen eine Partnerschaft mit JD.com ein, um den europäischen Handel zu stärken, basierend auf komplementären Stärken und gemeinsamen Werten», sagte Deissner laut der Mitteilung. Demnach soll es im Rahmen der Transaktion keine betriebsbedingten Kündigungen oder Schliessungen von Standorten geben.

«JD.com wird ausserdem die bestehenden Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge und die bestehende Unternehmensmitbestimmung im Aufsichtsrat wahren. Diese Zusagen gelten für drei Jahre.» JD.com plane zudem keine wesentlichen Änderungen an der Unternehmensstruktur oder der Markenarchitektur.

Die Ceconomy-Aktie war in Erwartung des Übernahmeangebots zuletzt auf 4,35 Euro je Aktie gestiegen. Seit Jahresbeginn hatte sie im Zuge laufender Übernahmefantasien um mehr als 60 Prozent zugelegt. Am Donnerstag kletterte sie weiter. Am Mittag lag sie mit 4,43 Euro rund 1,8 Prozent im Plus.

2025-07-31T09:57:26Z